Biografie Ignaz Netzer

Ignaz W. Netzer wurde in Wangen/Allgäu geboren.

Später wurde er Buchhändler, noch später Schulungsleiter in der freien Wirtschaft und ganz spät unterrichtete er über 10 Jahre an einer staatlichen Realschule die Fächer Deutsch, Englisch, Geschichte ....

Schon sehr früh spielte er Blues. Das macht er noch heute.
13 Schallplatten/CDs gehen auf sein Konto.

Er ist und bleibt stolz darauf, mit folgenden (neben den bereits erwähnten) KollegInnen die Bühne geteilt zu haben (kein Anspruch auf Vollständigkeit):

Werner Acker, Ray Austin, Champion Jack Dupree, Alexis Korner, The Holmes Brothers, Gerhard Polt, Bobby Rush, Lubos Andrst, Jaromir Helesic, Louisiana Red, Klaus Weiland, Wolle Kriwanek, Little Willie Littlefield ....


Aufgewachsen in der gutbürgerlichen Häuslichkeit einer Steuerberaterdynastie, umgeben von der inspirierenden Musikalität voralpenländlerischer Trachtenkapellen, ergänzt durch Klänge Catarina Valentes und Vico Torrianis aus dem wohnzimmerlichen Plattenspieler, entstand sehr bald die ungewisse Vorstellung, dass es zumindest in musikalischer Hinsicht noch etwas anderes geben müsse.

Bestätigt wurde diese Vorstellung eines Tages durch seltsame Klänge aus Omas Radio. Ignaz behielt nur die Namen „Lightnin`Hopkins" und „Brownie Mcghee" in Erinnerung, wußte aber nicht was das war, allerdings sehr wohl, dass es das war. Chronisch bluesinfiziert!



Es gibt keine Zufälle im Leben. In derselben Stadt gab es noch einen Bluesinfizierten, im selben Alter. Robert Kirchmayer, nie mit Ambitionen auf eine Profi-Karriere, ist für Ignaz bis heute einer der größten Bluesgitarristen. Die beiden „Blues brothers" waren bald unzertrennlich, und sah man den einen in Wangen mal alleine, so wußte man, der andere war nicht weit entfernt. Die Gitarre und Blues Harp waren immer dabei.




Ignaz und Robert Kirchmayer



mit Little Willie Littlefield
Es gab zu dieser Zeit keine Lehrer für diese Musik, so gut wie keine Literatur und im ganzen Allgäu keine einzige Bluesplatte zu kaufen. Dieser Kauf wurde in München besorgt, der Weg dorthin (entgegen den Versprechungen an die Eltern) nicht per Zug sondern trampender Weise erledigt. Das gesparte Fahrtgeld reichte locker für zwei Bluesscheiben, und jede neue Bluesscheibe war eine neue – wunderbare und faszinierende – Welt.

Gitarrenlicks von der Platte abzuhören und nachzuspielen war möglich, das selbige Verfahren gelang auch für die Harp. Doch wer sollte mit den Bluestexten helfen??? Was sangen die da?? Kein Englischlehrer sprang in die Presche, konnte man als verantwortlicher Pädagoge solch zweifelhaftes Unterfangen mit dieser unanständigen Musik unterstützen? Man mußte als Lehrer ja nicht zugeben, dass man die Texte selber nicht verstand.


Es blieb die harte Methode: Stundenlanges Abspielen ein und desselben Songs, Aufsaugen jeder Silbe, jedes Ächzens. Son House wurde so aber nicht langweilig. Vielleicht beantwortet diese Methode teilweise die Ignaz Netzer am häufigsten gestellte Frage: „Wie kommt man eigentlich zu solch einer Stimme?"


Makingblues


1970 gründeten Robbe Kirchmayer und Ignaz Netzer ihre erste Band „Firma Kischke", eine astreine Chicago-Blues Band mit Klaus Roggors am Piano (später einziger „studierter" Musiker der Band, Komponist von Kinofilmen und manchem „Tatort") und Franz Werder (dr), die Bassisten variierten.

1971 erolgte das erste Konzert, bis Mitte der achtziger Jahre folgten viele weitere.
1984 erschien die LP „Nix als the Blues".

Bereits zu dieser Zeit schrieb Ignaz Netzer Songs auch in seiner schwäbischen Mundart; das korrekte Schriftdeutsch ist ihm – wie Lästerzungen behaupten – trotz zweier Staatsexamen in Germanistik bis heute nicht ganz geläufig. Oder um es etwas ernsthafter zu formulieren: Jeder Dialekt bietet unendlich viele Möglichkeiten, innere Seelenzustände auszudrücken. Und schließlich ist jeder Songtext Ausdruck eines inneren Seelenzustandes.

1978, zwischenzeitlich längst in Freiburg angekommen, traf Ignaz auf den Liedermacher Dirk Sommer. Aus der Zusammenarbeit mit ihm stammen die beiden LPs „Schnappschuss" und „Durschd" (1981 u. 1983). Bluesiger war die Begegnung mit dem faszinierenden britischen Musiker Gerry Lockran, einem der Mitbegründer der englischen Bluesszene. Gemeinsame Konzerte führten durch Deutschland, Belgien und Holland. In diese Zeit fällt auch das Zusammenspiel mit dem amerikanischen Sänger und Gitarristen Richard Murphy.

Eine folgenschwere Begegnung bahnte sich an. Ignaz traf den ebenfalls allerschwerst bluesinfizierten schwäbischen Landsmann Thomas Scheytt. Nach einer äußerst knapp gehaltenen ersten Probe und einem Repertoire von höchstens 2 ½ Stücken sollte ein kurzer Auftritt in Albstadt-Ebingen folgen. Auf dieser Bühne entstand ein abendfüllendes Programm und die beiden formierten sich zum „Oldtime Blues & Boogie Duo", heute kurz „Netzer/Scheytt".

Bis heute entstanden aus dieser Zusammenarbeit die 3 CDs „Trouble In Mind" (1989), „Live Again" (1999) und „Drowning In The Blues" (2001, u.a. mit Barbara Dennerlein, In-Akustik).



Barbara Dennerlein und Ignaz Netzer live

2001 gewann das Duo den Audience Award (Publikumspreis für die beliebteste und beste Band) beim SWR Hot Jazz Festival im Europa-Park Rust. Ein Jahr zuvor waren Netzer/Scheytt als Experten für Blues eingeladen zur 24stündigen TV-Marathonsendung über die Geschichte des Jazz. Bei der Session (übertragen am 1. Januar 2001 auf 3 sat) spielten sie spontan erstmals mit Barbara Dennerlein. Die drei geben bis heute gemeinsame Konzerte.

Die Fachpresse feiert das Duo als „Großmeister des klassischen Blues" (Jazz Podium).
Die Süddeutsche schreibt: „Sprengen die Grenzen des europäischen Bluesfeelings.
Woher die beiden soviel schwarze Emotionalität nehmen bleibt ein Rätsel."
Das Jazz Podium widmet Ignaz Netzer als erstem Bluesmusiker ein ganzseitiges Interview.

Mit dem Duo „Making Blues" geht für Ignaz ein kleiner Wunschtraum in Erfüllung. Das Wort „Making" beeinhaltet ein Wortspiel: Das „M" steht für Mundharmonika, „A" für Albert, „K" für Koch, „I" für Ignaz, „N" für Netzer und „G" für Gitarre. Natürlich widmet sich auch dieses Duo auf eigenwillige Weise dem alten Blues, ebenso viel Raum nehmen aber andere Stilistiken oder Eigenkompositionen ein, so. z.B. Netzers Anti-Neonazi-Song „Brown Monkeys" oder Stücke mit 2 Harps wie der „Two Harps Boogie". Zudem bietet die Zusammenarbeit mit einem Harp-Spieler für einen Gitarristen viel Freiräume. Von Making Blues gibt es die CD „Police Dog Blues" aus dem Jahr 2002.



Ignaz Netzer und Gerhard Polt bei einer SWR-Produktion


Aus dem Duo wird 2002 unter Einbezug von Harald Krüger (voc,p) das Trio „KrüNetzKo". Harald Krüger, der sympathische Musiker aus Speyer, ist ein perfekter Entertainer mit großer Bühnenpräsenz. Seine Vorliebe ist der
Rock `n Roll und so wird das Markenzeichen von „KrüNetzKo" neben der für jedermann ersichtlichen Spielfreude von Krüger/Netzer/Koch eine bunte, aber in sich stimmige Mischung von Blues, Boogie-Woogie und Rock`n Roll.
2003 erschien von „KrüNetzKo" die CD „Gospel Ship".

Back to the roots – dies ist das Motto von Netzers jüngster Formation, dem „Basic Blues Trio".
Frontfrau ist die aus Chicago stammende und mehrfach preisgekrönte Jean Carroll (voc), eine der ganz wenigen noch lebenden authentischen Blues-Ladies. Pianist dieses Trios ist der kongeniale Christian Rannenberg.
„Basic Blues Trio" veröffentlichte 2004 die Maxi-CD „The Blues Is Allright".

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